• Das Projekt Personal Codes beschreibt die Schnittstelle zwischen digitaler Fotografie und Relief. Meine Schwester Kirstin (kirstinbecker.de) und ich wollen mit unserer Arbeit die Abstraktionsstufen der persönlichen digitalen Verfremdung abbilden und am Ende haptisch begreifbar machen.

    Der digitale Personalausweis soll zukünftig die Überprüfbarkeit einer Person durch biometrische Daten sicher stellen. Passbilder dienten bisher als einfache Identifikationsquelle und sollen zukünftig nicht mehr personell gefärbt sein. Diese Entwicklung gibt Anlass, sich mit der Identifikation einer Person im öffentlichen Raum auseinander zu setzen. In Zeiten der digitalen Web 2.0 Anwendungen und massiven Profil-Neuerfindungen durch und mit den neuen Medien, lässt sich immer mehr der Wunsch nach experimenteller Einzigartigkeit und Extrovertiertheit erkennen.

    Nicht nur gesellschaftlich wandelt sich das Identitätsbild einer Privatperson
    zur überprüfbaren, angreifbaren, digitalen Massenprojektion, deren wirkliche Persönlichkeit völlig in den Hintergrund treten kann. Die Anarchie des Internets wird durch Blogs, Wikis und Social Communities zum Schauplatz persönlicher Nabelschauen und Spontanvernetzungen, die sich kaum überschauen lassen. Dabei ist das digitale Bild einer Person im Web 2.0 heute vielschichtiger, als die vermeintliche „Aura des Originals” (Walter Benjamin). Echtheit, Verlässlichkeit, Sinn- oder Zerrbild der eigenen Identität, das ist Thema unserer Arbeit.

    Der Chip, der den „Personal Code” trägt, ist das Ergebnis dieser Entfremdung der eigentlichen Person. Das Porträt wird in drei Stufen systematisch verzerrt und durch die Zugabe der eigenen persönlichen Merkmale (Größe, Gewicht, Geburtsdatum etc.) im Farbverlauf spezifisch verändert. Rhythmisch bewegen sich die Bilder zwischen einer rein linearen, geometrischen und einer organisch-fließenden Gestaltungsweise, so bilden sie ein eigenes Persönlich-
    keitsrelief ab. Die Idee ist es, ein Porträt in seiner Unverwechselbarkeit künstlich so zu verwandeln, dass das Bild anhand einer abstrakten Darstellung bis zur Unkenntlichkeit aufgeschlüsselt bzw. codiert wird.

    Die Rückführung zur persönlichen Ausprägung passiert über das feste Farbschema des letzten Bildes, dessen Bedeutungstiefe sich im „Chip“ manifestiert. Der „Chip“ enthält so alle wichtigen persönlichen Angaben, die das Profilschema für eine Person festlegen und ist damit immer individuell unverkennbar.

  • mjb | produkt und grafikdesign