„Die Verknüpfung ist der Ursprung des Ornaments.” (Louis Kahn)
Das Ornament, das lange in unserer Designkultur in Vergessenheit geraten und über Jahrzehnte aus dem Gestaltungs-Establishment verbannt worden war, gewinnt zunehmend neues Ansehen und neue Wertigkeit. Das Bewusst-
sein für alte Formen erlebt in neuen Materialien und Herstellungstechniken eine wahre Renaissance, die Suche nach eigener Identität ist dabei ein starkes Motiv. Viele Designer, Künstler und Architekten greifen daher das Thema „Ornament“ wieder auf und beleben und artikulieren somit das Tabu
in der Moderne. Schnörkel und Schmuckwertes als dekoratives gestalterisches Element überspielen die Funktionalität des Objekts und verleihen dem eigentlichen Möbel den Charakter der Ikonografie.
In meiner Diplomarbeit habe ich das „Band“ als Ornament thematisiert. Das Band, ob gerollt, geschwungen, geflochten oder gedreht, taucht in fast allen Stilrichtungen des Ornaments auf. Das Band erscheint optisch sehr leicht, verspielt und lebendig.
Für mich ist Ornament emotional betrachtet ein Gefühl von Leichtigkeit, Verspieltheit und Lebensfreude. Ornament ist sinnlich, opulent und erotisch. Ich wollte zu einer Formensprache finden, die diese Attribute auf einfache
und abstrakte Weise zitiert, ohne diese zu imitieren. Als sich wiederholendes Prinzip folgt das Ornament in seiner Verspieltheit bewusst einer inszenierten Ordnung und Regelmäßigkeit.
Anhand einfacher Zuschnitte und Faltungen, habe ich Figuren und Schleifen erzeugt, die sich allein durch Materialspannung und in ihrer Verformung selbst tragen können. Ähnlich dem Möbiusband ergaben sich verschlungene Gebilde, die kein Innen und Außen, kein Vorn und Hinten haben, sondern nur eine durchgehende Oberfläche (siehe dazu „Formstudien“).
Das Spiel mit den Freiflächen und dem Untergrund ist experimenteller und inhaltlicher Bestandteil meiner Arbeit. Die Freistellen geben nicht nur Einblick in das darunter liegende Material, sondern betonen auch die Konstruktion und das Volumen der Bänder. Sie definieren und dynamisieren den Raum durch das Spiel zwischen erhabener Fläche und Untergrund. Die Verknüpfungs-
punkte oder Nahtstellen an den Modellen sind ganz bewusst gewählt und tragen ihre Konstruktion nach außen.
